Dieser Beitrag gibt einen umfassenden Überblick über die Cannabis-Anwendung: von den unterschiedlichen Einnahmeformen bis hin zu Dosierung und den rechtlichen Rahmenbedingungen einer Cannabis-Therapie in Deutschland.
Kurz gesagt: Medizinisches Cannabis kann inhaliert (Verdampfen von Blüten) sowie oral (Öle, Extrakte, Kapseln), sublingual (Tropfen oder Spray unter der Zunge) oder topisch (Creme) angewendet werden. Neben getrockneten Blüten kommen dabei vor allem Cannabisextrakte zum Einsatz, die dank standardisierter Wirkstoffgehalte eine besonders präzise Dosierung erlauben. Wie schnell und wie lange die Cannabis-Wirkung einsetzt, hängt von der gewählten Form ab, die Effekte selbst vom Zusammenspiel der Wirkstoffe THC und CBD. Welche Anwendung geeignet ist, richtet sich nach Indikation, Therapieziel und individueller Verträglichkeit.
Was ist medizinisches Cannabis?
Medizinisches Cannabis bezeichnet Cannabisarzneimittel, die auf ärztliche Verschreibung zur Behandlung einer Erkrankung eingesetzt werden. Grundlage ist die Cannabispflanze (Cannabis sativa), deren Inhaltsstoffe – allen voran die Cannabinoide THC und CBD – im Körper wirken können. Entscheidend für die Einstufung als Medizin ist nicht die Pflanze selbst, sondern der kontrollierte, standardisierte und ärztlich begleitete Rahmen der Anwendung.
In der medizinischen Versorgung stehen dabei im Wesentlichen zwei Produktgruppen zur Verfügung: getrocknete Cannabisblüten und daraus gewonnene Cannabis-Extrakte. Beide unterscheiden sich deutlich in Handhabung, Dosiergenauigkeit und Anwendungsform.
Hanf und seine medizinische Anwendung
Hanf (Cannabis sativa) wird übrigens bereits seit Jahrtausenden als Heilpflanze genutzt – erste Aufzeichnungen zur medizinischen Verwendung finden sich in der indischen Literatur schon im 4. Jahrhundert v. Chr.. Heute steht die medizinische Anwendung auf einem völlig anderen Fundament: standardisierte Wirkstoffgehalte, laborgeprüfte Qualität und eine klar geregelte Verschreibung machen aus der traditionellen Heilpflanze ein modernes Arzneimittel.[1]
Cannabisblüten und Cannabis-Extrakte im Vergleich
Cannabisblüten sind die getrockneten Blüten der Pflanze. Sie enthalten die Wirkstoffe in ihrer natürlichen Zusammensetzung – lassen sich dafür aber schwerer genau dosieren, weil der Wirkstoffgehalt selbst innerhalb derselben Sorte schwanken kann. Für viele Patient:innen ist es deshalb ein längerer Weg, bis sie gemeinsam mit ihrer Cannabis-Ärztin oder ihrem Cannabis-Arzt die medizinische Cannabissorte gefunden haben, die sie am besten vertragen.
Cannabisextrakte sind dagegen konzentrierte Auszüge aus der Pflanze – also Cannabis-Konzentrate. Dabei werden die gewünschten Inhaltsstoffe gezielt herausgelöst und in einer festen Dosierung aufbereitet – vor allem die beiden wichtigsten Cannabinoide (die medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe der Pflanze) THC und CBD, aber auch weitere Cannabinoide, Terpene (Duft- und Aromastoffe, die auch die Wirkung beeinflussen können) und Flavonoide (natürliche Pflanzenstoffe, wie sie auch in Obst und Gemüse vorkommen). Der große Vorteil: Extrakte haben immer die gleiche, genau festgelegte Wirkstoffmenge. Dadurch lässt sich die Dosis sehr präzise steuern.
THC und CBD: Wirkungen, Unterschiede und Kombination
Die beiden bekanntesten Cannabinoide sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Sie wirken unterschiedlich, können sich aber wahrscheinlich auf bemerkenswerte Weise ergänzen.
THC ist der psychoaktive Hauptwirkstoff. Nachgewiesen sind für THC unter anderem schmerzlindernde, appetitanregende, antiemetische (gegen Übelkeit und Erbrechen wirkende) und schlaffördernde Effekte. Der medizinische Einsatz kann jedoch von psychotropen Effekten begleitet sein.[2,3]
CBD ist nicht berauschend und wirkt anders als THC. Es weist ein breiteres Wirkungsspektrum auf und könnte unter anderem entzündungshemmend, angstlösend und krampfstillend wirken.[4]
Werden beide zusammen eingesetzt, können sie zum Beispiel die schmerzlindernde Wirkung verstärken. Ein solches festes Gemisch aus THC und CBD im Verhältnis 1:1 steckt zum Beispiel im fertigen Mundspray Sativex®. Daneben gibt es auch einzelne, im Labor hergestellte Wirkstoffe – etwa Dronabinol (im Grunde reines THC) oder Nabilon, das zum Beispiel bei starker Übelkeit während einer Chemotherapie zum Einsatz kommen kann.[1]
Cannabis-Anwendung: Darreichungsformen und Einnahme-Methoden für medizinisches Cannabis
Je nach Anwendungsform treten die Effekte von medizinischem Cannabis unterschiedlich schnell ein und halten unterschiedlich lange an. Nicht jede Art der Anwendung ist für jeden Menschen und jeden Zweck gleichermaßen geeignet. Grundsätzlich lassen sich vier Cannabis-Einnahme-Methoden unterscheiden.
1) Orale Anwendung: Extrakte, Öle und Kapseln
Bei der oralen Anwendung werden Cannabisextrakte, Öle oder Kapseln geschluckt und über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Diese Form kann sich zum Beispiel für die Behandlung chronischer Symptome eignen: Die Wirkung setzt zwar verzögert ein – in der Regel nach etwa 30 bis 90 Minuten –, hält dafür aber vergleichsweise lange an, meist rund 6 bis 8 Stunden. Je nach Präparat und Dosis kann die Wirkung sogar noch länger anhalten – bei essbaren Zubereitungen (Edibles) teils bis zu etwa 12 Stunden.[5,6]
2) Sublinguale Anwendung: Tropfen und Sprays
Werden ölige Tropfen mit einer Pipette direkt unter die Zunge gegeben, spricht man von sublingualer Anwendung. Die Wirkstoffe werden hier teilweise direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen. Auch Fertigarzneimittel wie das Mundspray Sativex® nutzen diesen Aufnahmeweg und lassen sich über die Zahl der Sprühstöße gut dosieren.[7]
3) Inhalative Anwendung: Verdampfen statt Rauchen
Die schnellste Methode ist die Inhalation. Bei der inhalativen Anwendung werden Cannabisblüten mit einem Vaporizer auf etwa 160 bis 220 °C erhitzt – es entsteht Dampf statt Rauch. Die Wirkung setzt häufig bereits nach wenigen Minuten ein, was sie für akute Beschwerden wie Schmerzspitzen geeignet machen kann.[8]
Wichtig ist der Unterschied zwischen Vaporisieren (Verdampfen) und Rauchen: Beim klassischen Rauchen – oft in Mischung mit Tabak – entstehen durch die Verbrennung schädliche Stoffe wie Teer, und ein Teil der wertvollen Cannabinoide verbrennt, ohne seine Wirkung zu entfalten. Das Verdampfen gilt daher als die risikoärmere Methode. Wichtig zu wissen ist aber, dass auch das Verdampfen von Cannabis mit einem Vaporizer belastend für die Atemwege sein kann.[9]
4) Topische Anwendung: Cremes für die Haut
Bei der topischen Anwendung werden THC- oder CBD-haltige Cremes lokal auf die Haut aufgetragen. Sie wirken über das Endocannabinoid-System der Haut mit seinen CB1- und CB2-Rezeptoren, das an Prozessen wie Zellteilung, Talgproduktion und Immunregulation beteiligt ist. Da der Wirkstoff vorwiegend in den oberen Hautschichten bleibt und kaum in den Blutkreislauf gelangt, treten in der Regel keine psychoaktiven Effekte auf. Eingesetzt werden solche Cannabis-Cremes etwa bei entzündlichen Hauterkrankungen wie Neurodermitis.
Unser Tipp: Mehr zum Thema erfährst du in unserem Artikel "Wie wird Cannabis konsumiert?"
Wirkungseintritt und Wirkdauer im Überblick
Wie schnell die Wirkung einsetzt und wie lange sie anhält, hängt stark davon ab, wie man das Cannabis anwendet:
- Verdampfen oder Rauchen (Inhalieren): Wirkt am schnellsten – meist schon nach wenigen Minuten. Dafür lässt die Wirkung auch wieder relativ zügig nach, in der Regel nach etwa 3 bis 4 Stunden. Kann gut geeignet sein, wenn Beschwerden akut auftreten.[10,11]
- Tropfen oder Spray unter die Zunge (sublingual): Die Wirkstoffe werden zum Teil direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen. Dadurch kann die Wirkung tendenziell etwas schneller einsetzen als beim reinen Schlucken, hält aber in der Regel über mehrere Stunden an. Diese Form ist meist gut steuerbar und einfach zu dosieren. [12]
- Schlucken (Öle, Extrakte, Kapseln): Hier dauert es länger, bis etwas spürbar wird – meist 30 bis 60 Minuten. Am stärksten wirkt es nach etwa 1,5 bis 3 Stunden, und die Wirkung kann lange anhalten, ungefähr 6 bis 8 Stunden. Möglicherweise gut geeignet für eine gleichmäßige Behandlung – etwa bei chronischen Beschwerden.[11]
Cannabisextrakt: Arten und Anwendung
Cannabisextrakte werden primär zur oralen bzw. sublingualen Einnahme verschrieben – meist als ölige Tropfen. Je nach Herstellungsverfahren und Wirkstoffgehalt unterscheiden sich die Produkte teils erheblich. Medizinische Cannabisextrakte lassen sich in vier Hauptkategorien einteilen:
Vollspektrum-Extrakte und weitere Arten von Cannabis-Extrakten
- Vollspektrum Extrakte werden über schonende Verfahren gewonnen, die ein möglichst breites Profil an Inhaltsstoffen bewahren. Das Zusammenspiel der Pflanzenbestandteile – einschließlich vieler in geringen Mengen vorkommender Stoffe – bleibt weitgehend erhalten.
- Isolierte Cannabinoid-Extrakte bestehen aus nur einem einzigen, besonders rein aufbereiteten Wirkstoff – in den meisten Fällen THC in Form von Dronabinol oder CBD. Sinnvoll können sie vor allem dann sein, wenn es auf eine exakte, gleichbleibende Dosierung ankommt oder wenn Patient:innen empfindlich auf einzelne Pflanzenbestandteile reagieren.
- THC-Destillate sind hochreine Extrakte mit einem THC-Gehalt von meist 90 bis 99 Prozent. Bei der Destillation werden fast alle Begleitstoffe wie Wachse, Lipide und Terpene entfernt. Letztere lassen sich jedoch gezielt wieder zusetzen, um ein bestimmtes Terpenprofil zu rekonstruieren.
- Standardisierte Mischextrakte kombinieren THC und CBD in festen Konzentrationen, etwa 10 mg THC und 10 mg CBD pro Milliliter. Sie sind für die ärztliche Praxis besonders interessant, weil sie dosiergenaue Therapien ermöglichen.
Entourage-Effekt – das Zusammenspiel von Cannabinoiden und Terpenen
Über THC und CBD hinaus bringt die Hanfpflanze mehr als 100 weitere Cannabinoide mit – etwa CBG, CBN, CBC oder THCV –, deren Nutzen für die Medizin immer intensiver untersucht wird. Eine wichtige Rolle spielen zudem die Terpene: Lange galten sie nur als Träger von Geruch und Geschmack, heute weiß man, dass auch sie im Körper eine eigene Wirkung entfalten können. Terpene wie Limonen, Myrcen oder Beta-Caryophyllen könnten stimmungsaufhellend [13], schmerzlindernd [14] und entzündungshemmend [15] wirken.
Aus dem Zusammenspiel von Cannabinoiden und Terpenen leitet sich der sogenannte Entourage-Effekt ab. Er beschreibt die Annahme, dass die Gesamtheit der Inhaltsstoffe der Pflanze anders – oft stärker oder vielseitiger – wirkt als isolierte Einzelsubstanzen. Vereinfacht gesagt: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Vor allem bei Vollspektrum-Extrakten spielt dieser Effekt eine zentrale Rolle. Wichtig ist jedoch: Wissenschaftlich abschließend belegt ist der Entourage-Effekt bislang nicht, die Forschung dazu steht noch am Anfang.
Cannabis-Therapie: Indikationen und Dosierung
Die Cannabis-Therapie ist immer eine individuelle Behandlung, die eng mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden sollte. Ihr Erfolg hängt maßgeblich davon ab, die passende Darreichungsform und die richtige Dosierung zu finden.
Für welche Erkrankungen wird Cannabis eingesetzt?
Medizinisches Cannabis wird vor allem dann eingesetzt, wenn etablierte Therapien nicht ausreichend wirken. Der Abschlussbericht der BfArM-Begleiterhebung (2022), der auf Tausenden Verordnungsdaten beruht, zeigt für Cannabisextrakte folgende Verteilung der Indikationen: Schmerzen (88,8 %), Neubildungen/Tumore (8,1 %), Spastiken (3,8 %), Multiple Sklerose (3,2 %), Migräne (2,9 %), Depressionen (2,8 %) und Anorexie (1,8 %).[16] Weitere typische Einsatzgebiete sind Appetitlosigkeit sowie Übelkeit und Erbrechen, etwa im Rahmen einer Chemotherapie.[1]
Wie gut die Behandlung anschlagen kann, zeigt die offizielle Begleiterhebung: In der Mehrzahl der Fälle war ein Erfolg erkennbar: bei 31,5 % der Patient:innen besserten sich die Beschwerden deutlich, bei weiteren 41,8 % moderat.[16]
Dosierung: Start low, go slow
In der Cannabis-Therapie gilt der Grundsatz „Start low, go slow": Alle cannabisbasierten Arzneimittel – Blüten wie Extrakte – werden einschleichend dosiert. Die Behandlung beginnt also mit einer bewusst niedrigen Startdosis. Bei Cannabisblüten liegt sie je nach THC-Gehalt etwa bei 25 bis 50 mg pro Tag (bei Sorten mit mehr als 10 % THC) und bei höchstens 100 mg pro Tag bei THC-armen Sorten.[17] Anschließend wird die Dosis falls notwendig langsam und unter ärztlicher Beobachtung gesteigert – meist in Schritten von etwa 2,5 bis 5 mg THC alle ein bis drei Tage –, bis die bestmögliche Wirkung bei möglichst geringen Cannabis-Nebenwirkungen erreicht ist.[17]
Wie hoch die passende Dosis am Ende ausfällt, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich und lässt sich derzeit nicht allgemein für einzelne Krankheitsbilder festlegen.[17] Auch wie viele Tropfen eines Cannabisextrakts konkret einzunehmen sind, hängt von der Konzentration des Präparats, der Indikation und der individuellen Reaktion ab – ebenso wie die Häufigkeit der Einnahme, die sich nach Einnahmeart, Indikation und Wirkdauer richtet. Maßgeblich ist deshalb immer die individuelle ärztliche Verordnung.
Cannabis-Nebenwirkungen
Laut BfArM-Begleiterhebung zählen zu den häufigsten Nebenwirkungen Müdigkeit (16,1 %), Schwindel (10,7 %), Schläfrigkeit (6,7 %), Aufmerksamkeitsstörungen (4,8 %) sowie Übelkeit und Mundtrockenheit (jeweils 4,7 %). Diese Effekte sind meist mild und treten vor allem in der Anfangsphase auf.[16]
Cannabis: Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Cannabis kann beeinflussen, wie der Körper andere Medikamente abbaut. Verantwortlich dafür ist vor allem eine Gruppe von Enzymen in der Leber (das sogenannte Cytochrom-P450-System), über die viele Arzneimittel verarbeitet werden. THC und besonders CBD können diese Enzyme bremsen oder ankurbeln – dadurch kann der Wirkstoffspiegel anderer Medikamente im Blut steigen oder sinken.[18]
Ein wissenschaftlicher Überblick über dokumentierte Wechselwirkungen zeigt: In den meisten Fällen sind solche Wechselwirkungen wenig wahrscheinlich oder nur schwach ausgeprägt. Einige Kombinationen verdienen aber besondere Aufmerksamkeit: [18]
- Am kritischsten ist die Kombination mit dem Blutverdünner Warfarin: Hier kann Cannabis (vor allem CBD) die blutverdünnende Wirkung verstärken und das Blutungsrisiko erhöhen. Diese Kombination sollte möglichst vermieden oder sehr engmaschig ärztlich überwacht werden. [18]
- Auch beim Schmerzmittel Buprenorphin und beim Immunsuppressivum Tacrolimus (nach Organtransplantationen) kann der Wirkstoffspiegel ansteigen, sodass die Dosis angepasst und kontrolliert werden muss. [18]
- Weitere, meist mittelschwere Wechselwirkungen betreffen vor allem Medikamente, die auf das Nervensystem wirken – etwa bestimmte Mittel gegen Epilepsie (z. B. Clobazam). [18]
Unterm Strich sind die meisten dieser Wechselwirkungen beherrschbar, wenn die Therapie ärztlich begleitet wird – genau das ist der Grund, warum Cannabis nie einfach „nebenbei" zu anderen Medikamenten eingenommen werden sollte. Wichtig zu wissen ist außerdem: Die Datenlage ist insgesamt noch begrenzt, und viele mögliche Wechselwirkungen sind noch nicht gut untersucht. [18]
Unser Tipp: Mehr Infos zum Thema findest du in unserem Artikel "Ibuprofen und Cannabis zusammen einnehmen – geht das?".
Medizinisches Cannabis: Rechtliches und Versorgung in Deutschland
Seit dem 1. April 2024 gelten für die Verordnung von medizinischem Cannabis in Deutschland neue Regeln – festgelegt durch das Cannabisgesetz (CanG) und das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG). Medizinisches Cannabis gilt seither nicht mehr als Betäubungsmittel und wird auf einem regulären Rezept verordnet. Die früheren monatlichen Verschreibungshöchstmengen sind entfallen.
Grundsätzlich dürfen alle approbierten Ärzt:innen medizinisches Cannabis auf Rezept verschreiben; ausgenommen sind lediglich Zahn- und Tierärzt:innen. Voraussetzung für eine Verordnung ist in der Regel eine schwerwiegende Erkrankung, eine begründete Aussicht auf Besserung sowie das Fehlen gleichwertiger Standardtherapien. Für gesetzlich Versicherte ist eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse möglich, muss aber meist vor der ersten Verordnung genehmigt werden. Alternativ kann Cannabis auch auf einem Privatrezept verordnet werden. Die Abgabe erfolgt ausschließlich in Apotheken und nur gegen gültige ärztliche Verschreibung.
Cannabis-Anwendung: Die richtige Darreichungsform macht den Unterschied
Die Cannabis-Anwendung ist so vielfältig wie die Beschwerden, bei denen sie zum Einsatz kommt. Von inhalativen Blüten über orale und sublinguale Extrakte bis zur topischen Creme bietet jede Darreichungsform eigene Vorteile hinsichtlich Wirkungseintritt, Wirkdauer und Dosiergenauigkeit. Cannabisextrakte punkten dabei mit ihrer Standardisierung und präzisen Steuerbarkeit. Entscheidend für den Therapieerfolg ist jedoch immer die individuelle Abstimmung mit erfahrenen Ärzt:innen – denn medizinisches Cannabis ist keine Einheitslösung.
Quellen
[1] Gelbe Liste Pharmindex. (2018, 28. August). Cannabis – Anwendung, Wirkung, Nebenwirkungen. Abgerufen am 07. Juli 2026, von https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Cannabis_53341
[2] Whiting, P. F. et al. Cannabinoids for medical use: A systematic review and meta-analysis. JAMA - J. Am. Med. Assoc. 313, 2456–2473 (2015).
[3] Abrams, Donald I. "The therapeutic effects of Cannabis and cannabinoids: An update from the National Academies of Sciences, Engineering and Medicine report." European Journal of Internal Medicine 49 (2018): 7-11.
[4] Pisanti, S., Malfitano, A. M., Ciaglia, E., Lamberti, A., Ranieri, R., Cuomo, G., Laezza, C. (2017). Cannabidiol: State of the art and new challenges for therapeutic applications. Pharmacology & Therapeutics, 175, 133-150.
[5] Barrus, D. G. et al. (2016). Tasty THC: Promises and Challenges of Cannabis Edibles. RTI Press Research Report, 2016: RTI Press OP-0035-1611
[6] Zipursky, J. S., Bogler, O. D. & Stall, N. M. (2020). Edible cannabis. CMAJ – Canadian Medical Association Journal, 192(7), E162.
[7] Barmer. (2024, 17. Oktober). Wie unterscheiden sich die Anwendungsformen von medizinischem Cannabis? Abgerufen am 07. Juli 2026, von https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/medizin/cannabis/anwendungsformen-1132266
[8] Aston ER, Scott B, Farris SG. A qualitative analysis of cannabis vaporization among medical users. Exp Clin Psychopharmacol. 2019 Aug;27(4):301-308. doi: 10.1037/pha0000279. Epub 2019 May 23. PMID: 31120278; PMCID: PMC6737940.
[9] Rojas, D.E., McCartney, M.M., Borras, E. et al. Impacts of vaping and marijuana use on airway health as determined by exhaled breath condensate (EBC). Respir Res 26, 63 (2025).
[10] Ravula, A., Chandasana, H., Jagnarine, D., Wall, S. C., Setlow, B., Febo, M., Bruijnzeel, A. W., & Derendorf, H. (2019). Pharmacokinetic and pharmacodynamic characterization of tetrahydrocannabinol-induced cannabinoid dependence after chronic passive cannabis smoke exposure in rats. Cannabis and Cannabinoid Research, 4(4), 240–254.
[11] Vandrey, R., Herrmann, E. S., Mitchell, J. M., Bigelow, G. E., Flegel, R., LoDico, C., & Cone, E. J. (2017). Pharmacokinetic profile of oral cannabis in humans: Blood and oral fluid disposition and relation to pharmacodynamic outcomes. Journal of Analytical Toxicology, 41(2), 83–99.
[12] Robinson, D., Ritter, S., & Yassin, M. (2022). Comparing sublingual and inhaled cannabis therapies for low back pain: An observational open-label study. Rambam Maimonides Medical Journal, 13(4), Article e0026.
[13] Komori, T et al. “Effects of citrus fragrance on immune function and depressive states.” Neuroimmunomodulation vol. 2,3 (1995): 174-80.
[14] Lorenzetti, Berenice B., et al. "Myrcene mimics the peripheral analgesic activity of lemongrass tea." Journal of ethnopharmacology 34.1 (1991): 43-48.
[15] Basile, Aulus Conrado, et al. "Anti-inflammatory activity of oleoresin from Brazilian Copaifera." Journal of Ethnopharmacology 22.1 (1988): 101-109.
[16] Abschlussbericht der Begleiterhebung nach § 31 Absatz 6 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch zur Verschreibung und Anwendung von Cannabisarzneimitteln (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, 2022)
[17] Deutsches Ärzteblatt. (2017). Medizinisches Cannabis: Die wichtigsten Änderungen. Abgerufen am 07. Juli 2026, von https://www.aerzteblatt.de/archiv/medizinisches-cannabis-die-wichtigsten-aenderungen-8947932a-bc22-401b-a928-ee432de6bc59
[18] Lopera, V., Rodríguez, A., & Amariles, P. (2022). Clinical relevance of drug interactions with cannabis: A systematic review. Journal of Clinical Medicine, 11(5), Article 1154.








