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THCP: Wirkung, Rechtslage und was es stärker als THC macht

THCP: Wirkung, Rechtslage und was es stärker als THC macht

Kurz gesagt: THCP ist ein natürliches Cannabinoid, das im Labor rund 33-mal stärker an den CB1-Rezeptor bindet als THC. Hochpotent also. Deshalb macht es aber nicht automatisch 33-mal so „high". Klinische Daten am Menschen fehlen komplett. In Deutschland sind Herstellung und Handel seit Juni 2024 verboten. Unterm Strich: spannendes Forschungsobjekt, aber noch zu wenig erforscht für eine THC-Alternative – sowohl im medizinischen Bereich als auch was den Freizeitkonsum angeht.

Was ist THCP?

THCP – ausgeschrieben Δ9-Tetrahydrocannabiphorol – ist ein natürlich vorkommendes Cannabinoid aus der Cannabispflanze. Es gehört zur großen Familie der Phytocannabinoide, jener Verbindungen, die die Pflanze selbst herstellt. Die meisten Menschen kennen daraus nur THC und CBD, doch inzwischen sind rund 150 solcher Moleküle beschrieben – viele davon treten nur in winzigen Mengen auf. [1]

Entdeckt wurde THCP erst 2019, als ein italienisches Forschungsteam eine medizinische Cannabissorte genauer analysierte. Zwischen den bekannten Molekülen tauchte ein Signal auf, das chemisch fast wie THC aussah, aber etwas schwerer war. Erst der Abgleich mit einer eigens synthetisierten Probe machte klar: Hier lag ein bislang unbekanntes, natürliches Cannabinoid vor. [1]

Nebenbei: Ob „THCP“ oder „THC-P“ – gemeint ist immer dieselbe Substanz. „THCP“ ist die wissenschaftlich korrekte Abkürzung, „THC-P“ ist lediglich eine vereinfachte Schreibweise, die vor allem in Shops und Foren auftaucht. Chemisch, strukturell und pharmakologisch handelt es sich um denselben Stoff.

Vielleicht auch spannend für dich? Unser Artikel zum Cannabinoid THCV.

THCP und das Endocannabinoid-System: Wirkung an CB1- und CB2-Rezeptoren

Um zu verstehen, warum THCP so viel Aufmerksamkeit bekommt, hilft ein kurzer Blick auf die Biologie. Unser Körper besitzt ein Endocannabinoid-System mit zwei zentralen Andockstellen: dem CB1-Rezeptor (vor allem im Gehirn und Nervensystem, verantwortlich für die psychoaktiven Effekte) und dem CB2-Rezeptor (eher im Immunsystem). An genau diese Cannabinoid-Rezeptoren binden Stoffe wie THC – und eben auch THCP.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Struktur. Δ9-THC besitzt ein Ringgerüst mit einer Alkyl-Seitenkette aus fünf Kohlenstoffatomen. Diese Seitenkette entscheidet maßgeblich darüber, wie gut das Molekül an den CB1-Rezeptor bindet. Das „Δ9“ in Delta 9 THC beschreibt dabei nur die Position einer Doppelbindung – ein Marker der klassischen, natürlich vorkommenden THC-Form. THCP sieht fast identisch aus, trägt aber eine Seitenkette mit sieben Kohlenstoffatomen. [1]

Was nach einem winzigen (und nerdigen) Detail klingt, ist pharmakologisch bedeutsam: Frühere Struktur-Wirkungs-Studien hatten gezeigt, dass die Länge dieser Seitenkette darüber mitentscheidet, wie fest ein Cannabinoid am CB1-Rezeptor andockt – bis zu einem Optimum von etwa acht Kohlenstoffatomen. Dass eine Pflanze ein derart langkettiges Molekül von sich aus bildet, war jedoch neu.[1]

Einfach gesagt, heißt das also: Die längere Seitenkette wirkt wie ein besserer Griff – THCP hält sich am Rezeptor deutlich fester als THC und löst deshalb schon in kleinsten Mengen eine spürbare Wirkung aus.

Ist THCP wirklich 33 mal stärker als THC?

Die berühmte Aussage, THCP sei „33 mal stärker als THC“, stimmt – aber nur in einem sehr präzisen Sinn. In der Studie von 2019 band THCP rund 33-fach stärker an den CB1-Rezeptor als THC. An den CB2-Rezeptoren fiel die Bindung sogar rund 63-mal stärker aus. Es geht bei diesen Zahlen also um die Bindungsaffinität, nicht um die Rauschwirkung. [1]

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass THCP einen Menschen 33 mal so „high“ macht. Eine höhere Affinität heißt nur: Das Molekül dockt effizienter an den Rezeptor an und wirkt in Tierversuchen schon bei geringeren Dosen. Wie stark THCP im Menschen tatsächlich wirkt, ist bislang nicht belegt – dafür fehlen klinische Daten an Menschen vollständig.


THCP-Wirkung: Was die Forschung zeigt

Die aussagekräftigsten Daten zur THCP-Wirkung stammen bis heute aus Versuchen mit Mäusen. Dort löste THCP das typische Muster cannabinoider Effekte aus – allerdings bereits bei niedrigeren Dosen als THC. Beobachtet wurden: [1]

  • verringerte Bewegungsaktivität (Hypomotilität)
  • verändertes Schmerzempfinden (Analgesie)
  • Muskelstarre (Katalepsie)
  • eine gesenkte Körpertemperatur

Diese Effekte zeigten sich bei THCP-Dosen ab etwa 2,5 mg/kg, während vergleichbare THC-Wirkungen in solchen Tests häufig erst bei höheren Dosen auftreten. Für den Menschen lässt sich daraus jedoch kein direkter Rückschluss ziehen: Die Übertragung von Tierdaten auf menschliche Erfahrung ist komplex. Festhalten lässt sich lediglich, dass THCP aktiv und wirkstark ist – selbst in winzigen Mengen. [1]

Genau das könnte ein altes Rätsel erklären: Warum wirken manche Cannabissorten intensiver, als ihr THC-Wert vermuten lässt? Da hochaktive Cannabinoide wie THCP in Standardanalysen kaum auftauchen, könnten sie zu Effekten beitragen, die bisher allein dem THC zugeschrieben wurden. Forschende schlagen deshalb vor, THCP künftig bei der Qualitätsanalyse von medizinischem Cannabis mitzuerfassen. [1]

THCP vs. THC: der Vergleich auf einen Blick

Wer THCP im Vergleich zu Delta-9-THC einordnen will, sollte zwei Dinge trennen: die messbare Chemie im Labor und die Wirklichkeit beim Menschen. Die folgende Tabelle fasst zusammen, was gesichert ist – und wo Wissen fehlt.

Merkmal

THC (Δ9-THC)

THCP

Voller Name

Δ9-Tetrahydrocannabinol

Δ9-Tetrahydrocannabiphorol

Alkyl-Seitenkette

5 Kohlenstoffatome

7 Kohlenstoffatome

Bindungsaffinität CB1 (Ki)

ca. 40 nM

ca. 1,2 nM (rund 33-fach stärker)

Vorkommen in der Pflanze

im Milligramm-Bereich pro Gramm

nur Spuren (ca. 29 µg/g in FM2)

Daten am Menschen

umfangreich erforscht

keine klinischen Studien

Rechtslage DE (Handel)

je nach Kontext geregelt

verboten seit 27.06.2024 (NpSG)

Kurz gesagt: THCP ist im Labor das potentere Molekül, THC das ungleich besser erforschte. Ein Laborwert allein sagt eben nicht alles über die Wirkung einer Sorte.

THCP-Vape, -Blüten und andere Produkte

Bevor das Verbot kam, tauchten THCP-Produkte in vielen Formen auf: als THCP-Vape (Liquids und Kartuschen), als THCP-Blüten (mit Extrakt besprühtes Blütenmaterial) sowie als Öle oder Gummis. Ein wichtiger Punkt dahinter: Das THCP in solchen Verkaufsprodukten wurde praktisch immer synthetisch bzw. halbsynthetisch hergestellt – meist aus günstig verfügbaren, aus Hanf gewonnenen Vorläufern. Der Grund ist simpel: In der Pflanze kommt THCP so selten und in so kleinen Mengen vor, dass eine direkte Extraktion wirtschaftlich sinnlos wäre. [1,4]

Wie verlässlich sind solche Produkte? Eine forensische Analyse von 2024 – durchgeführt von einer italienisch-österreichischen Forschungsgruppe – untersuchte reale Handelsprodukte aus dem europäischen Markt: Blüten, Gummis und eine Vape-Kartusche, gekauft über einen Online-Shop. Mit hochauflösender Massenspektrometrie zeigte sich: In allen drei Proben wich der tatsächliche THCP-Gehalt deutlich von den Herstellerangaben ab. Zusätzlich fanden sich weitere Cannabinoide wie HHC und H4-CBD sowie Nebenprodukte synthetischen Ursprungs. [2]

Ein ähnliches Bild zeichnet ein Wiener Testlabor für den deutschsprachigen Markt: Bei der Herstellung von THCP entstehen zahlreiche Nebenprodukte, und viele eingesandte Vapes und Blüten enthielten unbekannte Begleitstoffe oder auch THC. Kurz gesagt: Wer solche Produkte kaufte, wusste selten, was wirklich drin war. Eine Zulassung für die Inhalation, als Rauchware oder als Lebens- bzw. Nahrungsergänzungsmittel gibt es für THCP-Produkte in der EU ohnehin nicht. [4]

Die Rechtslage in Deutschland: Ist THCP legal?

Kurz und klar: Kurz und klar: In Deutschland ist der Handel mit THCP verboten. THCP wurde – gemeinsam mit HHC – 2024 in das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) aufgenommen und damit verboten. Herstellung, Verkauf, Verabreichung, Einfuhr und Handel sind seither strafbar – es drohen Geld- oder Freiheitsstrafen. [5]

Anders sieht es bei der privaten Seite aus: Der bloße Besitz zum Eigenbedarf und der Konsum werden in der Regel nicht strafrechtlich verfolgt, weil THCP im NpSG und nicht im Konsumcannabisgesetz (KCanG) oder Betäubungsmittelgesetz (BtMG) geführt wird. Praktisch heißt das: Kaufen oder verkaufen ist illegal, der Besitz an sich nicht – wobei eine größere Menge den Verdacht auf Handel begründen kann. Legale Bezugsquellen gibt es wegen des Verkaufsverbots ohnehin nicht. [5]

Hinweis: Dies ist keine Rechtsberatung. Regelungen können sich ändern, und die Einstufung einzelner Substanzen wird laufend angepasst.

Ist THCP gefährlich?

Ob THCP gefährlich ist, lässt sich seriös bisher nicht beantworten – und genau darin liegt das Problem. Es gibt keine Studien am Menschen, keine belastbaren Daten zu Toxizität, Neurotoxizität, möglicher Krebsauslösung, Wechselwirkungen oder Langzeitfolgen. Was bekannt ist: THCP wirkt in Tiermodellen deutlich stärker als THC, was theoretisch auch stärkere oder unerwartete Effekte bedeuten kann. [1, 4]

Hinzu kommen die schon erwähnten Risiken aus der Herstellung: synthetische Nebenprodukte, deren Wirkung auf Organe und Nervensystem niemand kennt, sowie stark schwankende Gehalte. Aus wissenschaftlicher Sicht gilt daher: THCP ist potent, aber unzureichend erforscht – und aus dieser Kombination ergibt sich das größte Risiko. [4]


THCP: Erfahrungen und Nachweis im Drogentest

Belastbare THCP-Erfahrungen im wissenschaftlichen Sinn existieren nicht, weil kontrollierte Humanstudien fehlen. Aus Szeneberichten wird das THCP-High allerdings häufig als sehr intensiv und teils als unangenehm – schlicht „zu stark“ – beschrieben. Solche Berichte ersetzen keine Daten, decken sich aber mit der hohen Potenz aus den Laborbefunden. [4]

Beim Drogentest gilt THCP als sehr wahrscheinlich nachweisbar. Gängige Urin- und Schnelltests unterscheiden nicht zwischen einzelnen Cannabinoiden, sondern reagieren auf allgemeine THC-Metabolite – und THCP bildet voraussichtlich ähnliche Abbauprodukte. In der Praxis würde THCP deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit als „THC-positiv“ erscheinen. Bei Bluttests zur Fahrtüchtigkeit wird THCP zudem als beeinträchtigende, psychotrope Substanz erfasst. [4]

Unser Tipp: Mehr zum Thema erfährst du in unserem Artikel "THC-Abbau & THC-Rechner: So lange bleibt Cannabis im Körper".

THCP ernst nehmen, aber nüchtern betrachten

THCP ist kein Hype-Molekül, sondern ein ernstzunehmender Hinweis darauf, dass die Cannabispflanze noch Überraschungen bereithält. Im Labor bindet es rund 33 mal stärker an CB1 als THC, und schon Spuren könnten zur Wirkung beitragen. Gleichzeitig fehlt fast alles, was für eine sichere Beurteilung nötig wäre: Daten am Menschen, zu Risiken und zu Langzeitfolgen. In Deutschland ist der Handel seit Juni 2024 verboten. Wer THCP verstehen will, sollte es deshalb nüchtern betrachten – als spannendes Forschungsobjekt, nicht als Konsumtrend.

 

Quellen

[1] Citti, C., Linciano, P., Russo, F., Luongo, L., Iannotta, M., Maione, S., Laganà, A., Capriotti, A. L., Forni, F., Vandelli, M. A., Gigli, G., & Cannazza, G. (2019). A novel phytocannabinoid isolated from Cannabis sativa L. with an in vivo cannabimimetic activity higher than Δ⁹-tetrahydrocannabinol: Δ⁹-tetrahydrocannabiphorol. Scientific Reports, 9(1), 20335.

[2] Caprari, C., Ferri, E., Schmid, M. G. et al. (2024). Δ9-Tetrahydrocannabiphorol: Identification and quantification in recreational products. Forensic Chemistry, 40, 100595.

[3] Bueno, J. & Greenbaum, E. A. (2021). (−)-trans-Δ9-Tetrahydrocannabiphorol content of Cannabis sativa inflorescence from various chemotypes. Journal of Natural Products, 84(2), 531–536.

[4] Drogentest Wien. (o. D.). Tetrahydrocannabiphorol (THCP) – Faktencheck. Abgerufen am 20. Juli 2026, von https://www.drogentest-wien.at/info/tetrahydrocannabiphorol

[5] Brauer, M. (2025, 5. August). HHC und THCP: In Deutschland verboten und strafbar. Dr. Brauer Rechtsanwälte. Abgerufen am 20. Juli 2026, von https://www.die-anwalts-kanzlei.de/cannabis-strafrecht/hhc-und-thcp-verbote-und-strafen/



Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen THC-P und THCP?

Keiner – beide Schreibweisen meinen dasselbe Molekül, Δ9-Tetrahydrocannabiphorol. „THCP“ ist die wissenschaftlich korrekte Abkürzung, „THC-P“ eine vereinfachte Marketing-Schreibweise. Der Unterschied liegt allein in der Schreibweise, nicht in der Substanz.

Ist THCP synthetisch oder natürlich?

Beides. THCP kommt natürlich in der Cannabispflanze vor, allerdings in extrem geringen Mengen. Das THCP in (ehemaligen) Verkaufsprodukten wurde dagegen nahezu immer synthetisch bzw. halbsynthetisch hergestellt, weil die natürlichen Mengen für eine kommerzielle Nutzung viel zu klein sind. [1,4]

Ist in jeder Cannabissorte THCP enthalten?

Das ist nicht abschließend geklärt. Erstmals nachgewiesen wurde THCP in der italienischen Sorte FM2; spätere Analysen fanden es auch in weiteren Cannabis-Chemotypen, allerdings ebenfalls nur in sehr geringen Konzentrationen. Ob es in wirklich allen Sorten vorkommt, ist offen – auch weil die meisten Labore gar nicht gezielt danach suchen. [1,3]

Ist THCP bei einem Drogentest nachweisbar?

Ja, sehr wahrscheinlich. Übliche THC-Tests erfassen THCP mit, da sie auf allgemeine THC-Metabolite reagieren. Ein THCP-Konsum würde daher voraussichtlich als THC-positiv erscheinen. [4]

Kann man THCP-Produkte legal kaufen?

Nein. Seit 2024 sind Herstellung, Verkauf und Handel von THCP in Deutschland über das NpSG verboten. Der bloße Besitz ist zwar nicht strafbar, legale Bezugsquellen gibt es wegen des Verkaufsverbots aber nicht. (Dies ist keine Rechtsberatung.)[5]

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