Kurz gesagt: Man beginnt immer mit sehr kleinen Mengen – häufig zunächst mit CBD. Reicht das nicht aus, kann später eine niedrige THC-Dosis ergänzt werden. Dann wird schrittweise und langsam gesteigert, bis die Wirkung stimmt. Hohe THC-Mengen sind selten nötig und erhöhen das Risiko für Cannabis-Nebenwirkungen. Wichtig: Die richtige Dosierung gehört immer in ärztliche Hände. Medizinisches Cannabis sollte nicht eigenständig dosiert oder angepasst werden.
Konzentration, Verhältnis, Dosis – wie man als Patient ein Cannabisprodukt versteht
Wer zum ersten Mal ein medizinisches Cannabisprodukt in der Hand hält, sieht sich häufig mit Angaben konfrontiert, die zunächst technische Fragen aufwerfen: Prozentzahlen, Milligrammwerte, Verhältnisangaben. Hinter all dem steckt im Grunde nur eines: die Information, wie viel Wirkstoff enthalten ist und wie das Produkt dosiert werden kann.
Konzentration: Wie viel THC oder CBD steckt tatsächlich drin?
Auf jedem medizinischen Cannabisprodukt steht, wie hoch der Anteil der beiden wichtigsten Cannabinoide ist – THC und CBD. Je nach Darreichungsform wird das unterschiedlich angegeben:
- Bei Blüten erfolgt die Angabe in Prozent. Ein Produkt mit 15 % THC enthält also 15 % von 1 Gramm – das entspricht 150 mg THC pro Gramm. 10 % CBD entsprechen 100 mg CBD pro Gramm.
- Bei Ölen oder Extrakten wird die Konzentration in mg pro ml angegeben. Ein Öl mit 15 mg/ml THC enthält also 15 mg THC in jedem Milliliter.
Die Konzentration sagt also nichts über die Dosis aus, die eingenommen wird, sondern nur darüber, wie „stark“ das Produkt ist.
Verhältnis: Wie hoch ist der THC-gehalt im Vergleich zum CBD-Gehalt?
Zusätzlich geben viele Hersteller das Verhältnis zwischen THC und CBD an. Das hilft einzuschätzen, wie die Bestandteile zueinander stehen – unabhängig davon, wie hoch die absolute Konzentration ist.
Beispiele:
- 1:1 – THC und CBD liegen in gleicher Menge vor.
- 1:3 – dreimal so viel CBD wie THC.
- 4:1 – viermal so viel THC wie CBD.
Wenn ein Öl z. B. 20 mg THC und 10 mg CBD pro Milliliter enthält, ergibt das ein Verhältnis von 2:1. Der entscheidende Punkt: Das Verhältnis sagt nichts darüber aus, wie hoch die Dosis sein sollte. Ein 2:1-Verhältnis kann in einem schwach dosierten oder auch in einem sehr konzentrierten Produkt vorkommen.
Dosierempfehlung: Wie viel Cannabis nimmt man als Cannabispatient pro Anwendung?
Die Dosis ist das, was man als Cannabispatient:in einnimmt. Und die unterscheidet sich deutlich von Konzentration und Verhältnis.
Eine allgemein gültige Dosierempfehlung für Cannabis kann nicht einfach ausgesprochen werden. Die Dosis wird stets von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt festgelegt und während der ersten Wochen einer Cannabis-Therapie oft noch angepasst.[1]
Für Medizinal-Cannabis (wie auch für den Freizeit-Cannabis-Konsum) gilt ein Grundsatz: „Start low, go slow, stay low“ – also niedrig beginnen, langsam steigern, nicht höher dosieren als nötig.[1]
Das bedeutet:
- Die Anfangsdosis ist meist gering.
- Erhöhungen erfolgen in kleinen Schritten.
- Zwischen zwei Dosisanpassungen sollte ausreichend Zeit liegen, um die Wirkung zu beurteilen.
- Ziel ist immer die kleinste Dosis, die zuverlässig wirkt und möglichst wenige Nebenwirkungen verursacht.
Die ärztliche Begleitung ist dabei zentral: Sie verhindert eine zu schnelle Aufdosierung, erkennt Nebenwirkungen frühzeitig und stellt sicher, dass die Cannabis-Therapie tatsächlich den gewünschten Nutzen bringt.
Cannabis-Therapie: Warum die Dosierung so individuell ist
Cannabis ist kein Einzelsubstanz-Medikament. Es umfasst THC, CBD, Terpene und weitere Wirkstoffe, die in Kombination wirken können – und bei jeder Person unterschiedlich. Einfluss haben könnten:
- Körpergewicht
- Stoffwechsel
- Vorerkrankungen
- Begleitmedikationen
- bisherige Cannabis-Erfahrung
- Einnahmeform (Inhalation, Öl, Kapsel)
- Alltagsfaktoren wie Atmung, Ernährung oder Tageszeit
Während einige Patient:innen bereits auf sehr geringe THC-Mengen reagieren, benötigen andere höhere Dosen. Ein universelles Schema gibt es daher (noch) nicht – und es braucht weitere Studien, um besser zu verstehen, welche Faktoren die Dosierung wie beeinflussen.
Aktuelle Studienlage: Warum klare Dosierungsempfehlungen für medizinisches Cannabis fehlen
Viele Ärztinnen und Ärzte stehen vor demselben Dilemma: Trotz wachsender Nachfrage nach medizinischem Cannabis gibt es bis heute kaum verbindliche Vorgaben, welche Dosen als sicher und wirksam gelten. Eine internationale Untersuchung aus dem Jahr 2021 beschreibt das Problem prägnant: Die medizinische Praxis ist schneller vorangeschritten als die Forschung. Um diese Lücke zu schließen, wurden Schmerzexpert:innen weltweit nach praktikablen Dosierungswegen befragt.[2]
Drei Einstiegsmodelle: Cannabis-Dosierung je nach Bedarf und Empfindlichkeit
Das Ergebnis ist ein dreistufiges Schema, das den klinischen Alltag abbildet: ein Standard-, ein konservatives und ein beschleunigtes Protokoll.[2]
- Standardprotokoll: Der Einstieg erfolgt mit CBD, meist 5 mg zweimal täglich. Die Menge kann im Abstand weniger Tage bis auf 40 mg pro Tag steigen. Erst wenn CBD allein nicht ausreicht, wird THC hinzugefügt: beginnend mit 2,5 mg täglich, mit vorsichtigen Steigerungen bis maximal 40 mg pro Tag.
- Konservatives Protokoll: Für besonders empfindliche Patient:innen wird die Therapie langsamer angegangen. Die CBD-Schritte fallen kleiner aus, THC – falls nötig – startet bei 1 mg täglich.
- Schnelles Protokoll: Für Patient:innen mit starken Schmerzen oder Vorerfahrung mit Cannabis beginnt die Behandlung mit ausgewogenen THC:CBD-Produkten. Auch hier gilt die Obergrenze von 40 mg THC pro Tag.
Allen drei Ansätzen liegt derselbe Grundsatz zugrunde: kleine Schritte, kontinuierliche Beobachtung und eine klare Zieldefinition.[2]
Warum viele Empfehlungen mit CBD beginnen
Eine Auswertung aus dem Jahr 2023 bestätigt dieses Vorgehen. CBD gilt als besser verträglich als THC, auch wenn der Wirknachweis bei chronischen Schmerzen weniger robust ist. Die Schlussfolgerung der Autor:innen ist pragmatisch: Wenn Studien fehlen, sollte die sicherere Substanz zuerst geprüft werden. THC bleibt ein möglicher Zusatz, aber erst dann, wenn CBD nicht ausreichend hilft.
Die Analyse zeigt zudem, wie stark die Wahl des Produktes die Dosierung beeinflusst. Öle, Kapseln, Extrakte oder inhalierbare Formen wie Cannabisblüten unterscheiden sich deutlich in Aufnahme und Wirkdauer. Einheitliche Standards existieren bislang nicht.[3]
Grundprinzip: langsam steigern
Eine ältere, aber grundlegende Arbeit liefert eine pharmakologische Einordnung:
- THC-Dosen über 30 mg pro Tag sind selten sinnvoll und erhöhen die Wahrscheinlichkeit unerwünschter Effekte.
- CBD kann – je nach Erkrankung – auch in höheren Mengen eingesetzt werden, wirkt aber häufig schon bei geringeren Dosen.
- Die Autor:innen empfehlen, Inhalation nicht als Standardmethode zu betrachten, sondern vor allem für akute Schmerzspitzen.
Der Kern der Studie auch hier: „Start low, go slow.“[1]
Was bedeutet das für die Praxis?
Medizinisches Cannabis lässt sich nicht mit einer Einheitsdosis beginnen. Die optimale Menge entsteht durch:
- ärztliche Begleitung
- dokumentierte Wirkung
- schrittweise Anpassung
- Beobachtung von Nutzen und Nebenwirkungen
Mit jeder neuen klinischen Studie wächst das Wissen über die ideale Dosierung. Fortschritte in Analyseverfahren, neue Extraktprofile und digitale Dokumentation könnten in Zukunft dazu beitragen, Therapiepläne präziser und verlässlicher zu gestalten.
FAQ
Wie viel THC ist "viel"?
Als „viel“ gilt im medizinischen Kontext alles, was über etwa 30–40 mg THC pro Tag liegt. Studien zeigen, dass in diesem Bereich Nebenwirkungen deutlich häufiger werden, während der therapeutische Nutzen oft nicht weiter steigt.[1,2]
Wie viel THC steckt in 1 Gramm Cannabis?
Das hängt vom THC-Prozentsatz der Cannabisblüte ab. Die Rechnung ist einfach:
- 10 % THC → ca. 100 mg THC pro Gramm
- 15 % THC → ca. 150 mg THC pro Gramm
- 20 % THC → ca. 200 mg THC pro Gramm
- 25 % THC → ca. 250 mg THC pro Gramm
Grundlage: Der Prozentwert gibt an, wie viel Milligramm THC in 1 Gramm Blüte (1000 mg) enthalten sind.
Wichtig: Diese Angaben beschreiben nur den Wirkstoffgehalt, nicht die individuell sinnvolle medizinische Dosis, die stets ärztlich festgelegt werden sollte.
Wie viel THC wirkt beim Konsum von Cannabis berauschend?
Eine pauschale Grenze gibt es nicht. Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf THC. Für Einsteiger:innen können schon wenige Milligramm berauschend wirken.
Wie viele Tropfen Cannabisextrakt sollte ich einnehmen?
Es gibt keine allgemeingültige Tropfenempfehlung. Wie viele Tropfen man einnehmen sollte, hängt vollständig vom individuellen Rezept ab und sollte ausschließlich ärztlich festgelegt und begleitet werden. Selbstmedikation ist nicht empfehlenswert.
Wie viel mg THC sollte ich pro Tag einnehmen?
Es gibt keine feste THC-Menge pro Tag. Die passende Dosis wird immer individuell ärztlich festgelegt.
Quellen
[1] MacCallum, C. A., & Russo, E. B. (2018). Practical considerations in medical cannabis administration and dosing. European Journal of Internal Medicine, 49, 12–19.
[2] Bhaskar, A., Bell, A., Boivin, M., et al. (2021). Consensus recommendations on dosing and administration of medical cannabis to treat chronic pain: Results of a modified Delphi process. Journal of Cannabis Research, 3, 22.
[3] Jugl, S., Goodin, A. J., & Brown, J. D. (2023). Climbing the evidence pyramid: Dosing considerations for medical cannabis in the management of chronic pain. Medical Cannabis and Cannabinoids, 6(1), 41–45.




