Kurz gesagt: Der THC-Gehalt gibt an, wie viel des psychoaktiven Wirkstoffs THC in einem Cannabisprodukt enthalten ist. Er wird meist in Prozent (z. B. 20 % THC), als Verhältnisangabe (z. B. 18/1 für THC/CBD) oder in Milligramm pro Gramm (z. B. 200 mg/g) angegeben. Der Wert beschreibt das Wirkpotenzial, nicht die tatsächliche Wirkung, die je nach Dosis, Konsumform und Person variieren kann.
Was sind THC und CBD?
THC (Δ9-Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) sind zwei natürliche Wirkstoffe aus der Cannabispflanze. Sie sind chemisch verwandt, wirken im Körper aber unterschiedlich.[1]
THC
THC ist der Stoff, der am häufigsten mit der berauschenden Wirkung von Cannabis in Verbindung gebracht wird. THC wirkt, indem es bestimmte Rezeptoren im Gehirn aktiviert. Dadurch kann es Wahrnehmung, Stimmung und Denken verändern.
Je nach Dosis, Konsumform und Person könnte THC:
- entspannend oder anregend wirken,
- Schmerzen lindern,
- bei Schlafstörungen helfen,
- aber auch Konzentration und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen,
- Unruhe oder Angst auslösen, besonders bei höheren Mengen.[1]
Studien zeigen, dass ein regelmäßiger oder hoch dosierter Konsum, vor allem in jungen Jahren, mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein kann, insbesondere für die psychische Gesundheit.[1]
CBD
CBD ist ebenfalls ein Cannabinoid aus der Cannabispflanze, verursacht aber keinen klassischen Rausch. Es wirkt anders als THC und greift nicht direkt an denselben Rezeptoren im Gehirn an.
Nach dem aktuellen Forschungsstand könnte CBD:
- beruhigend oder ausgleichend wirken,
- das Nervensystem unterstützen,
- in bestimmten medizinischen Anwendungen hilfreich sein, etwa bei speziellen Formen von Epilepsie.[1]
Gleichzeitig betonen Studien, dass viele mögliche CBD-Effekte noch erforscht werden.[1]
Gemeinsamkeiten und Unterschiede von THC und CBD
- Beide Stoffe stammen aus derselben Pflanze.
- Beide können Prozesse im Gehirn und Körper beeinflussen.
- THC könnte stärker und direkter wirken, CBD eher indirekt und regulierend.
Studien zeigen: Weder THC noch CBD sind pauschal „gut“ oder „schlecht“. Ihre Wirkung kann stark variieren – abhängig von Dosis, Anwendung und individueller Veranlagung.[1]
Warum ist der THC-Gehalt in Cannabisblüten für viele so wichtig?
Der THC-Gehalt ist für viele wichtig, weil THC der Wirkstoff ist, der die spürbaren Effekte von Cannabis am stärksten prägen kann. Die Forschung zeigt: THC wirkt direkt im Gehirn und kann Wahrnehmung, Stimmung, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit verändern. Deshalb wird der THC-Wert häufig als Hinweis auf die „Stärke“ eines Produkts gelesen – auch wenn er die tatsächliche Wirkung nur unvollständig abbildet.
Hinzu kommen:
- THC ist gut messbar und lässt sich in Zahlen ausdrücken.
- Prozentwerte vermitteln Vergleichbarkeit und scheinbare Kontrolle.
Studien machen jedoch deutlich: Der THC-Gehalt beschreibt vor allem das Wirkpotenzial, nicht, wie ein Cannabisprodukt individuell erlebt wird. Wirkung kann je nach Dosis, Konsumform und Person stark variieren.[1]
THC-Werte: Was die Zahlen über Cannabis aussagen
Zahlen wie „20 % THC“ oder „18/1“ tauchen überall dort auf, wo über Cannabis gesprochen wird – besonders im medizinischen Bereich. Sie sollen vor allem eines leisten: eine grobe Einordnung ermöglichen, wie wirkstark ein Produkt sein könnte. Schließlich ist THC ist der Bestandteil von Cannabis, der maßgeblich an den spürbaren Effekten beteiligt ist.
Der THC-Gehalt wird meist als Prozentwert angegeben. Er beschreibt, wie viel THC in einem Gramm Pflanzenmaterial enthalten ist. Angaben wie „18/1“ setzen zwei Wirkstoffe ins Verhältnis: THC und CBD. In diesem Fall bedeutet das 18 Prozent THC und 1 Prozent CBD. Dieses Verhältnis kann die Wirkung eines Produkts mitprägen – erklärt sie aber nicht vollständig.
Ein wichtiger Aspekt bleibt oft unbeachtet: Das THC liegt in der Pflanze zunächst in einer nicht wirksamen Form vor. Erst durch Hitze wird daraus der Stoff, der im Körper tatsächlich Effekte entfalten kann. Deshalb beziehen sich Laborangaben in der Regel auf das theoretische Wirkpotenzial nach dem Erhitzen, nicht auf die rohe Pflanze. Die Zahlen sind also keine Garantie für eine bestimmte Wirkung, sondern ein technischer Richtwert.
In der Cannabistherapie helfen diese Angaben, Produkte besser einzuordnen und zu vergleichen. Welche Cannabissorte oder welches Präparat geeignet ist, wird jedoch nicht allein anhand von THC-Werten entschieden, sondern individuell im ärztlichen Gespräch.
THC-Werte-Tabelle: eine grobe Orientierung zur Wirkstärke
Die folgende Einteilung dient ausschließlich der Orientierung. Sie basiert auf subjektiven Erfahrungsberichten und nicht auf klinischen Studien. Wie Cannabis wahrgenommen wird, hängt von weit mehr ab als vom THC-Gehalt allein – unter anderem von Konsumform, individueller Toleranz, Körpergewicht, Situation sowie vermutlich auch vom Zusammenspiel mit anderen Pflanzenbestandteilen, wie Cannabinoide und Terpene. [2]
|
THC-Gehalt |
Subjektiv empfundene Wirkung |
Einordnung |
|
0-1 % |
Keine berauschende Wirkung |
überwiegend CBD-haltig |
|
1-5 % |
Sehr mild |
Häufig als "Cannabis für Anfänger" beschrieben |
|
5-10 % |
Wahrnehmbar, aber zurückhaltend |
Entspricht früheren Durchschnittswerten |
|
10-20 % |
Klar spürbar psychoaktiv |
Heute bei vielen Produkten üblich |
|
20-30 % |
Stark bis sehr stark |
Starke Sorten, vor allem aus neueren Züchtungen |
|
über 30 % |
Sehr hohe Wirkstärke |
Sehr potent |
Diese Übersicht zeigt vor allem eines: THC-Werte liefern Anhaltspunkte, keine verlässliche Wirkungsvorhersage. Sie helfen beim Vergleich von Cannabisprodukten, ersetzen aber nicht die individuelle Einschätzung und die ärztliche Entscheidung, welche Cannabissorte, die richtige für Patient:innen ist.
Cannabis-Konsum: Das verraten THC-Werte nicht
Ein höherer THC-Wert bedeutet nicht automatisch eine entsprechend stärkere Wirkung. Ein Produkt mit 20 Prozent THC wirkt nicht zwangsläufig doppelt so intensiv wie eines mit 10 Prozent. Der Grund: Wirkung folgt keiner einfachen Rechenlogik.
Nach heutigem Forschungsstand entsteht die Wirkung von Cannabis vermutlich aus dem Zusammenspiel mehrerer Inhaltsstoffe – darunter THC, CBD und Terpene – sowie aus individuellen Faktoren wie Erfahrung, körperlicher Verfassung und Situation. Dieses Zusammenspiel wird häufig als Entourage-Effekt beschrieben. THC-Prozentwerte liefern damit Orientierung, erklären aber nicht das gesamte Wirkungserleben.[2]
Medizinische Cannabisblüten: THC-Gehalt von niedrig bis hoch
Medizinisches Cannabis auf Rezept kann auch sehr hohe THC-Gehalte erreichen. Je nach Sorte und Züchtung liegen die Werte etwa zwischen 1 % und über 30 % THC.
Zur Einordnung:
- niedrig (ca. 1-5 %): milde Wirkung, oft für empfindliche Patient:innen
- mittel (ca. 5-15 %): häufig verordneter Bereich
- hoch (ca. 15-27 %): für Patient:innen mit höherem Bedarf
- sehr hoch (ab 28 %): starke Sorten, meist für erfahrene Patient:innen
Cannabis mit sehr hohem THC-Gehalt ist im medizinischen Bereich die Ausnahme, könnte aber bei bestimmten Indikationen sinnvoll sein. Welche Stärke geeignet ist, entscheidet immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt – unter Berücksichtigung von Wirkung, Verträglichkeit und individueller Situation.
Nach THC-Gehalt: Liste mit medizinischen Cannabissorten
Die folgende Liste ordnet ausgewählte medizinische Cannabissorten nach ihrem THC-Gehalt. Sie dient der Orientierung und zeigt, in welchen Bereichen sich gängige Cannabisblüten bewegen. Welche Sorte im Einzelfall für eine Behandlung geeignet ist, hängt jedoch nicht allein vom THC-Wert ab.
Niedriger bis mittlerer THC-Gehalt (ca. 1-15 %)
- Basotho Even (THC: 7,1 % | CBD: 9,6 %)
Hoher THC-Gehalt (ca. 15-27 %)
- Alien Mints (THC: 19,8 % | CBD: 0,4 %)
- Rainbow Dawg (THC: 19,6 % | CBD: 0,3 %)
- Cinderella Kush (THC: 21,1 % | CBD: 0,2 %)
- El Jefe (THC: 24,1 % | CBD: 0,1 %)
- Strawberry OG (THC: 26,1 % | CBD: 0,2 %)
Sehr hoher THC-Gehalt (ab 28 %)
- Noga (THC: 29,2 % | CBD: 1,0 %)
- Super Citra G. (THC: 30,9 % | CBD: 0,2 %)
- Sour Cherry Punch (THC: 30,7 % | CBD: 0,1 %)
Unser Tipp: Wer sich einen breiten Überblick über medizinische Cannabisblüten und ihren THC-Gehalt machen möchte, kann in unserem Live-Bestand Cannabisprodukte nach ihren THC-Werten filtern.
Machen Cannabissorten mit hohem THC-Gehalt schneller abhängig?
Studien deuten darauf hin, dass hochpotente Cannabisprodukte mit einem erhöhten Risiko für Abhängigkeit verbunden sein können. Wer regelmäßig Cannabis mit hohem THC-Gehalt konsumiert, entwickelt häufiger eine Cannabis-Sucht – also ein problematisches Konsummuster mit Kontrollverlust und starkem Verlangen.[3]
Das Risiko steigt insbesondere, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen:
- hohe THC-Konzentrationen
- regelmäßiger oder täglicher Konsum
- früher Einstieg, vor allem im Jugendalter
- geringer CBD-Anteil, der möglicherweise dämpfend wirken könnte
Besonders Jugendliche reagieren empfindlich auf THC, da sich ihr Gehirn noch in der Entwicklung befindet. Eine frühe, intensive Exposition kann langfristige Folgen haben.[3,4]
Gleichzeitig zeigen Daten: Medizinischer Cannabiskonsum unter ärztlicher Begleitung ist deutlich seltener mit problematischem Gebrauch verbunden. Eine klare Dosierung, medizinische Indikation und der Konsum ausschließlich durch Erwachsene wirken hier offenbar schützend.[5]
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Quellen
[1] Stella N. THC and CBD: Similarities and differences between siblings. Neuron. 2023 Feb 1;111(3):302-327. doi: 10.1016/j.neuron.2022.12.022. Epub 2023 Jan 12. PMID: 36638804; PMCID: PMC9898277.
[2] Christensen, C., Rose, M., Cornett, C., & Allesø, M. (2023). Decoding the postulated entourage effect of medicinal cannabis: What it is and what it isn’t. Biomedicines, 11(8), 2323.
[3] Petrilli, K., Ofori, S., Hines, L., Taylor, G., Adams, S., & Freeman, T. P. (2022). Association of cannabis potency with mental ill health and addiction: A systematic review. The Lancet Psychiatry, 9(9), 736–750.
[4] Stuyt, E. (2018). The problem with the current high potency THC marijuana from the perspective of an addiction psychiatrist. Missouri Medicine, 115(6), 482–486.
[5] Lapham, G. T., Matson, T. E., Bobb, J. F., Luce, C., Oliver, M. M., Hamilton, L. K., & Bradley, K. A. (2023). Prevalence of cannabis use disorder and reasons for use among adults in a US state where recreational cannabis use is legal. JAMA Network Open, 6(8), e2328934.
[6] Peng, Y. W., Desapriya, E., Chan, H., & Brubacher, J. R. (2020). Residual blood THC levels in frequent cannabis users after over four hours of abstinence: A systematic review. Drug and Alcohol Dependence, 216, 108177.
[7] Sharma, P., Murthy, P., & Bharath, M. M. S. (2012). Chemistry, metabolism, and toxicology of cannabis: clinical implications. Iranian Journal of Psychiatry, 7(4), 149–156.










