Kurz gesagt: HHC ist ein halbsynthetisches, im Labor aus CBD hergestelltes Cannabinoid, das THC-ähnlich berauscht – etwas schwächer, aber je nach Zusammensetzung unberechenbar. Weil Qualität und Inhalt der Produkte nicht kontrolliert sind, drohen Verunreinigungen, Vergiftungen und Nebenwirkungen bis hin zu Psychosen. Im Drogentest schlägt es oft an. In Deutschland ist HHC seit dem 21. Juni 2024 verboten.
Was ist Hexahydrocannabinol (HHC)?
HHC steht für Hexahydrocannabinol und gehört zur Substanzgruppe der Cannabinoide – genau wie die bekannteren Verwandten THC und CBD. [1]
Chemisch ist HHC fast ein Zwilling von Delta-9-Tetrahydrocannabinol (Δ9-THC), dem berauschenden Hauptwirkstoff der Cannabispflanze. Man kann es sich so vorstellen: Wenn THC ein Schlüssel ist, dann ist HHC fast derselbe Schlüssel – nur an einer einzigen Stelle leicht anders gefeilt. Fachlich fehlt HHC lediglich eine Doppelbindung zwischen zwei Kohlenstoff-Atomen (C9 und C10). Genau diese winzige Änderung, die sogenannte Hydrierung, macht das Molekül stabiler und länger haltbar. [1]
Neu ist der Stoff dabei gar nicht: Beschrieben wurde HHC bereits 1940 vom US-Chemiker Roger Adams. [1, 4, 5] Neu ist nur, dass es seit 2022 plötzlich massenhaft in Produkten auf dem europäischen Markt auftauchte. [1]
Ist HHC natürlich oder pflanzlich?
Das Marketing sagt gern „natürlich“ – die Realität sieht anders aus. Die Hanfpflanze stellt HHC nicht selbst her. Man findet es in ihr höchstens in winzigen Spuren, und selbst diese sind meist nur Abbauprodukte von THC. [1]
Für den Verkauf wird HHC deshalb halbsynthetisch (semi-synthetisch) im Labor hergestellt. Ausgangsstoff ist CBD (Cannabidiol) aus Nutzhanf. In Schritt 1 wird das CBD mit Säure in Δ8- und Δ9-THC umgewandelt. In Schritt 2 wird dieses THC „hydriert“ – dabei wird Wasserstoff angelagert – und so entsteht HHC. [1]
Man startet also mit einem pflanzlichen Rohstoff, aber ohne Chemie geht es nicht. Ein Konsument bringt es in einer BR-Reportage auf den Punkt: HHC werde zwar aus Cannabis-Rohstoffen hergestellt, „aber das geht nicht ohne Reagenzgläser und ein Labor“. [9] Pflanzlicher Ursprung: ja. Ein „pflanzliches, natürliches Produkt“: nein. HHC ist eine halbsynthetische Substanz. [1, 9]
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9β-HHC und 9α-HHC – Zwillinge mit unterschiedlicher Wirkung
Bei der Herstellung entstehen fast immer zwei eng verwandte Varianten, sogenannte Epimere: 9β-HHC (auch 9R-HHC) und 9α-HHC (9S-HHC). [1, 5]
Und die beiden verhalten sich unterschiedlich. 9β-HHC passt gut an die körpereigenen Andockstellen für Cannabinoide und wirkt ähnlich stark wie THC. 9α-HHC dagegen bindet rund zehnmal schwächer und ist deutlich weniger aktiv. [1, 5] Wie stark ein HHC-Produkt wirkt, hängt deshalb auch davon ab, wie viel β- und wie viel α-Form darin steckt – und dieses Verhältnis schwankt von Charge zu Charge. [1, 5]
Ein Blick auf die Cannabinoid-Rezeptoren: Wie wirkt HHC?
Unser Körper besitzt ein eigenes Endocannabinoid-System mit zwei wichtigen Andockstellen: dem Cannabinoid-Rezeptor CB1 (vor allem im Gehirn und Nervensystem) und CB2 (vor allem im Immunsystem). THC löst seinen Rausch hauptsächlich über den CB1-Rezeptor aus. [7]
HHC – genauer gesagt die β-Form – dockt an dieselben Rezeptoren an. Bindungsstärke und Aktivität am CB1- und CB2-Rezeptor sind mit denen von Δ9-THC vergleichbar. [1, 5] Deshalb wirkt HHC „cannabimimetisch“, also THC-artig. Insgesamt gilt es aber als etwas schwächer: Für einen vergleichbaren Effekt braucht man in der Regel eine etwas höhere Dosis. [1, 8]
So fühlt sich der HHC-Rausch an
In einer kontrollierten Studie der Universität Leipzig bekamen Proband:innen entweder ein Fruchtgummi mit 25 mg HHC oder zogen dreimal an einem HHC-Vape. Alle drei Personen der Fruchtgummi-Gruppe und zwei von drei der Vape-Gruppe berichteten ein deutlich spürbares „High“. Insgesamt waren Wirkung und Verhalten des Stoffs im Körper mit denen von THC vergleichbar. [1, 6]
Wichtig ist aber: Die Stärke war sehr unterschiedlich. Gerade beim Inhalieren schwankte das Rauschgefühl von Person zu Person stark. Ein häufiger Begleiteffekt war Mundtrockenheit. [6] In einer BR-Reportage beschreibt ein Reporter nach nur drei, vier Zügen einen so heftigen Rausch, dass er kalten Schweiß bekam und es als „unangenehm“ empfand; ein Cannabis-Patient fühlte sich zwar „breit“, aber auch „komisch“. [9] HHC scheint also THC-ähnlich zu berauschen, aber unberechenbar.
HHC-Wirkungseintritt: Wie lange dauert es, bis HHC wirkt?
Das hängt stark davon ab, wie man es konsumiert. Beim Inhalieren über einen Vape geht es schnell: Die höchsten Blutwerte werden schon nach etwa 2 bis 6 Minuten erreicht. [1, 6] Beim Essen – also über Fruchtgummis oder Öle – dauert es deutlich länger: Die höchsten Blutwerte stellen sich erst nach rund 1,25 bis 2 Stunden ein. [1, 6]
Der Vape gleicht also einem Sprint, das Gummibärchen eher einer Langstrecke. Genau darin liegt eine typische Gefahr. Wer isst und nach 20 Minuten „noch nichts spürt“, dosiert leicht nach – und wird dann von der verzögerten, doppelten Wirkung überrascht. So kommt es schnell zu einer Überdosierung. [1]
Was sind HHC-Blüten und wie erkennt man sie?
HHC-Blüten sind in aller Regel ganz normale, THC-arme Hanf- oder CBD-Blüten, die nachträglich mit HHC besprüht oder vermischt werden. [2, 9] Oft laufen sie unter klangvollen Namen bekannter Cannabis-Sorten wie „Amnesia“ oder „Purple Haze“ oder werden im „Cali“-Stil (nach kalifornischem Vorbild) vermarktet. [2]
Und jetzt das Kernproblem: Man erkennt sie nicht. HHC-Blüten sehen aus und riechen wie ganz normales Cannabis. [2] Die Toxikologin Ester Neumeier sagt dazu, man könne es „nicht sehen, nicht riechen, nicht schmecken“. [9]
Noch heikler: Was tatsächlich aufgesprüht wurde, weiß niemand sicher. Es könnte ein anderes synthetisches Cannabinoid sein, mehr THC als angegeben – oder gar kein HHC. Bei einer Laboranalyse für den Bayerischen Rundfunk enthielt eine als HHC verkaufte Blüte 0,0 % HHC, dafür aber THC. [9] Auch in den USA fand man bereits als „HHC“ verkaufte Produkte, die überhaupt kein HHC enthielten. [1] Fazit: Es gibt keine verlässliche Methode, HHC-Blüten mit bloßem Auge zu erkennen – und keine Qualitätskontrolle, die garantiert, dass drin ist, was draufsteht. [9]
Unser Tipp: Mehr zum Thema erfährst du im Ratgeber-Artikel "Gestrecktes Cannabis erkennen: Gefährliches Grün vom Schwarzmarkt?".
Nachteile, Risiken und Nebenwirkungen von HHC
Der größte Nachteil steckt schon im Abschnitt zuvor: Man weiß nie genau, was man bekommt. Es gibt keine gesetzlichen Qualitätsstandards für diese Produkte. Bei der Herstellung können Rückstände der eingesetzten Katalysatoren, Synthese-Nebenprodukte, andere Cannabinoide und sogar Schwermetalle in die Ware gelangen. [1, 9]
Die wissenschaftliche Datenlage zur Giftigkeit von HHC ist bislang unvollständig, und einen gesundheitlichen Richtwert gibt es nicht. Fest steht aber: Bei größeren Mengen können schwere Vergiftungen auftreten – auch dann, wenn Kinder versehentlich HHC-haltige Fruchtgummis essen. [1] Gemeldete Nebenwirkungen reichen von Kreislaufproblemen, Kopfschmerzen und Übelkeit bis hin zu Angst und in Einzelfällen sogar zu psychotischen Symptomen und Halluzinationen. [1, 9]
Ein Blick auf konkrete Zahlen aus Tschechien: Das dortige Giftinformationszentrum wertete 236 gemeldete HHC- und HHC-P-Fälle aus (Mai 2022 bis April 2024). Fast jede:r fünfte Betroffene war ein Kind unter 15 Jahren. Die häufigsten Beschwerden waren neurologisch (74 %), am Herz-Kreislauf-System (43 %) und im Magen-Darm-Bereich (43 %). Rund 6 % der Fälle verliefen schwer; Todesfälle gab es jedoch keine, und 98 % der Betroffenen erholten sich vollständig. [7]
Zu möglichen Langzeitfolgen von HHC-Konsum gibt es bislang keine Studien. Suchtmediziner:innen sorgen sich vor allem um die Entstehung psychischer Störungen wie Angst, Depression und Psychosen. [9]
Ist HHC in Deutschland und Europa legal?
Nein, jedenfalls nicht mehr. Lange wurde HHC als „legaler Ersatz“ für Cannabis verkauft, weil es weder vom Betäubungsmittelgesetz noch eindeutig vom Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) erfasst war. [1, 8] Genau das machte es ab 2022 an Kiosken und in Online-Shops – ab 18 Jahren – frei verfügbar. [9]
Damit ist Schluss: Mit der Fünften Verordnung zur Änderung der Anlage des NpSG wurde HHC den synthetischen Cannabinoiden zugeordnet. [3] Seit dem 21. Juni 2024 fällt HHC in Deutschland unter das NpSG. Herstellung, Handel, Inverkehrbringen, Erwerb und sogar der bloße Besitz sind seither verboten – und das gilt auch für Zubereitungen aus HHC. [1]
Auch international ist HHC vielerorts reguliert: In Österreich sind Handel und Herstellung schon seit März 2023 untersagt. [8] Ebenso haben unter anderem Frankreich, Dänemark, Finnland, Schweden, die Schweiz und Tschechien HHC inzwischen eingestuft. [1]
Unser Tipp: Mehr zur rechtlichen Einordnung von Cannabis-Produkten findest du in unserem Artikel "Cannabis legal kaufen in 2026 – was du wissen solltest".
Was kommt nach HHC?
HHC ist ein halbsynthetisches Cannabinoid, das THC-ähnlich berauscht – etwas schwächer, aber unberechenbar in Stärke und Zusammensetzung. [1, 6] Es ist nicht das „natürliche“ Produkt, als das es beworben wurde, sondern wird im Labor aus CBD hergestellt. [1] Weil Reinheit und Inhalt oft unklar sind, immer wieder Vergiftungen vorkommen und Langzeitdaten fehlen, stufen Behörden HHC als riskant ein. In Deutschland ist es seit dem 21. Juni 2024 verboten. [1, 3, 7]
Mit dem Verbot ist das Thema aber nicht erledigt – eher im Gegenteil. Der Markt für halbsynthetische Cannabinoide funktioniert wie ein Katz-und-Maus-Spiel: Kaum ist ein Stoff reguliert, tauchen chemisch leicht abgewandelte Nachfolger auf. Neben HHC sind längst Varianten wie HHC-P und HHC-O aufgetaucht [2, 7], und der Gesetzgeber schreibt die Liste der erfassten Stoffe im NpSG deshalb immer wieder fort. [3]
Für Verbraucher:innen heißt das vor allem eins: Ein neuer, „legaler“ Name im Shop bedeutet nicht, dass ein Stoff sicher oder gut erforscht ist – bei HHC hinkt die Wissenschaft der Verbreitung bis heute hinterher. [1] Wer die Entwicklung im Blick behalten möchte, achtet deshalb weniger auf klangvolle Produktnamen als darauf, was Institutionen wie das BfR oder die EU-Drogenagentur EUDA an neuen Erkenntnissen veröffentlichen. [1, 2]
Quellen
[1] Bundesinstitut für Risikobewertung. (2025). Psychoaktive Wirkungen durch den Konsum von Hexahydrocannabinol (HHC)-haltigen Erzeugnissen (Stellungnahme Nr. 019/2025 vom 4. Juni 2025).
[2] European Union Drugs Agency. (2023). Hexahydrocannabinol (HHC) and related substances (Technical report).
[3] Bundesrat: Fünfte Verordnung zur Änderung der Anlage des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes. Drucksache 202/24, 26.04.2024.
[4] Graziano, S., Varì, M. R., Pichini, S., Busardò, F. P., Cassano, T., & Di Trana, A. (2023). Hexahydrocannabinol pharmacology, toxicology, and analysis: The first evidence for a recent new psychoactive substance. Current Neuropharmacology, 21(12), 2424–2430.
[5] Nasrallah, D. J., & Garg, N. K. (2023). Studies pertaining to the emerging cannabinoid hexahydrocannabinol (HHC). ACS Chemical Biology, 18(9), 2023–2029.
[6] Höfert, L., Franz, B., Groß, C., Kuntze, D., Jurásek, B., Kuchař, M., Dreßler, J., Becker, S., & Baumann, S. (2025). Preliminary pharmacokinetic and psychophysical investigations after controlled oral and inhalative consumption of hexahydrocannabinol (HHC). Scientific Reports, 15, Article 10086.
[7] Čečrle, M., Běhounková, M., Kotíková, K., & Zacharov, S. (2025). Hexahydrocannabinol and hexahydrocannabiphorol poisonings: Data from the Czech Toxicology Information Centre and effects of legislative changes. Pharmacology Research & Perspectives, 13(5), Article e70162.
[8] LADR Der Laborverbund Dr. Kramer & Kollegen (2023, 30. März). Hexahydrocannabinol (HHC) im Labor nachweisbar. Abgerufen am 22. Juli 2026, von https://www.ladr.de/news/detail/hexahydrocannabinol-hhc-im-labor-nachweisbar
[9] BR24. (2023, 25. Oktober). Legaler Rausch: Wie gefährlich ist HHC? | Die Story | Kontrovers [Video]. YouTube. https://youtu.be/VGNsDeZ2vGE?si=flRDKGW9_acym8U-























